German

Bruckner Haus - Linz

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Concert in Scharfrichterhaus - Passau

vom 03.04.2006
Rhythmische Überraschungen
Pianist Yaron Hermann gastiert im Passauer Scharfrichterhaus: Alles entwickelt sich während des Spiels

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Lässt die Zuhörer am Innersten der Klänge teilhaben: Yaron Hermann aus Israel. (Foto: Warmuth)


Nach Enrico Pieranunzi, der im November letzten Jahres stark beeindrucken konnte, gastierte nun mit Yaron Hermann wieder ein Solo-Pianist der ganz exklusiven Art im Passauer Scharfrichterhaus. Denn der erst 24-jährige gebürtige Israeli, der seit vier Jahren Paris zu seiner Wahlheimat auserkoren hat, bestach vor vollem Haus durch seine ganz eigene und persönliche Art, die verschiedensten Stile und Musikepochen miteinander zu verknüpfen. Bei Hermann wirkt selbst die Verbindung der stärksten stilistischen Gegensätze harmonisch und bildet ein gesamtes Ganzes. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts gekünstelt. Alles entwickelt sich während des Spiels und das ist sein Erfolgsrezept. Wenn er beispielsweise seine Improvisationen mit neoimpressionistischen Klängen beginnt, die Debussy ins Gedächtnis rufen, dann während des Aufbaus des Spannungsbogens raffiniert synkopierte Komplementärrhythmen entwickelt, auch vor wohlklingenden Terz- und Sextparallelen nicht zurückschreckt und schließlich in neoromantischen Figurationen wieder zur Ruhe mahnt, über die er mit der rechten hand auch mal die Melodie von Gershwins „Summertime“ legt, dann birgt das zweifelsohne den Reiz des Außergewöhnlichen. Durch solche Verbindungen verfremdet Hermann bekannte Melodien harmonisch reizvoll und lässt sie sozusagen in einem ganz anderen, oft völlig neuen Licht erblühen. Selbst ein wunderschön romantisch intoniertes „Moon River“ ist bei Hermann nicht vor kleinen harmonischen und rhythmischen Überraschungen geschützt und gerade das macht sein Spiel so spannend. Zudem weist Hermann die Fähigkeit auf, den Tönen in sehr innigen Passagen wirklich Raum zur Entfaltung zu geben, und damit die Zuhörer sozusagen am Innersten der Klänge teilhaben zu lassen. Faszinierend ist aber auch, mit welcher Leidenschaft der Pianist sein Spiel grimassenschneidend durchlebt. Das Publikum war zurecht begeistert und gab sich erst nach zwei Zugaben zufrieden.   Stefan Rimek